Armenien: Flucht aus Bergkarabach – Wie Familien neu anfangen
Shownotes
120.000 Menschen mussten im Jahr 2023 innerhalb weniger Tage aus Bergkarabach fliehen – mit kaum mehr als dem, was sie tragen konnten. In Armenien beginnt für sie ein neues Leben, doch die Erinnerungen an die verlorene Heimat bleiben. Wie fühlt es sich an, plötzlich alles hinter sich zu lassen – Freunde, Schule, das eigene Zuhause? Wir sprechen mit einer jungen Geflüchteten über Angst, Verlust und den schwierigen Neuanfang. Und wir fragen: Wie gelingt Integration in einem Land, das selbst vor großen Herausforderungen steht? Renovabis-Länderreferent Sebastian Hisch steht uns Rede und Antwort.
Mehr zum Bergkarabach-Konflikt: https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/224129/berg-karabach/
Mehr zum Beef zwische Kirche und Staat: https://www.domradio.de/artikel/armeniens-politik-und-kirche-verstricken-sich-schmutzigem-wahlkampf
https://www.noek.info/hintergrund/4039-kritik-von-innen-und-aussen-zum-konflikt-um-die-armenische-kirchenleitung Linkbeschreibung
Credits an Nicolas Riedmiller, Presse und Öffentlichkeitsarbeit Renovabis, für die Vermittlung der Protagonisten und die Projekt-Begleitung.
Wie ihr die Arbeit des Hilfswerks Renovabis unterstützen könnt, erfahrt ihr hier: https://www.renovabis.de/mitmachen/pfingstaktion-und-jahresthema
Transkript anzeigen
00:00:03: Wir haben eine Familie.
00:00:08: Sechs Tage nach dem Beginn des Kriegs haben wir unsere Sachen gepackt und sind aufgebrochen.
00:00:13: Meine Eltern, Geschwister und unserer Schwiegerfamilie und die Schwester meiner Mutter.
00:00:18: Mein Onkel ist
00:00:18: nachgekommen.
00:00:19: Während der Fahrt hörten wir dass es in Erzach eine große Explosion gegeben hat.
00:00:24: daran erinnere ich mich noch Und wir standen
00:00:27: unfassbar
00:00:27: lang im Stau.
00:00:28: Es waren so viele Menschen unterwegs.
00:00:30: Viele übernachteten in ihren Autos.
00:00:33: Für ältere und kranke Menschen war es sehr anstrengend.
00:00:35: Später haben wir erfahren, dass einige während der Fahrt sogar gestorben
00:00:39: sind.".
00:00:44: Das ist Tatjana – sie ist sechzehnund kommt aus Bergkarabach.
00:00:49: Vor drei Jahren musste ihre Familie dort alles zurücklassen und fliehen.
00:00:58: Ich vermisse meine Stadt, meine Schule und meine Freunde.
00:01:01: In meiner Gegend war klar wir halten zusammen – einer für alle!
00:01:05: Nachts haben wir unsere Haustier offen gelassen so eng war das Verhältnis zu den Nachbarn.
00:01:10: Das ist hier natürlich ganz anders.
00:01:16: Ost blickt der Podcast über Osteuropa.
00:01:20: Hier sprechen wir mit echten Menschen von vor Ort, die uns aus ihrer Erfahrung berichten und mit Experten, Heute geht's nach Armenien.
00:01:34: Ein wunderschönes Land im Südkaukasus, das ich für diese Folge selbst bereisen durfte!
00:01:40: Das Essen, die Kultur und die Geschichte – das alles hat mich einfach umgehauen.
00:01:45: Und es reicht die rauere Landschaft und die Berge vor allem weil man da auf Schritt und Tritt uralte Klöster und Kirchen zu sehen bekommt.
00:01:53: Die haben echt nochmal eine ganz andere Optik als die Kirchen hier bei uns im Westen.
00:01:57: Denn wusstet ihr dass Armenien das älteste christliche Land der Welt ist?
00:02:02: Mehr Fun-Facts gibt's in dieser Folge.
00:02:04: Zuerst starten wir aber mit dem Konflikt um Berkara Bach.
00:02:08: Ich bin Elena, eure Host und jetzt ganz viel Spaß beim Eintauchen!
00:02:15: Vielleicht habt ihr auch noch diese Bilder im Kopf?
00:02:17: Von der Straße wo sich kilometerlang die Autos staunen.
00:02:21: Das war es was Jahr zwanzig als Azerbaijan beschlossen hat berkara bach soll uns gehören.
00:02:28: Die armenische Bevölkerung muss weg.
00:02:30: Die Aseris waren militärisch deutlich überlegen und die russischen Friedenstruppen, die damals im Hochland stationiert waren sind nicht eingeschritten.
00:02:39: Die Leute in Bergkarabach hatten also nicht wirklich eine andere Wahl als ihre Sachen zu packen und ihrer Heimat zu verlassen.
00:02:46: Ganz easy war das allerdings nicht!
00:02:49: Die Gegend um Bergkarabach ist ziemlich bergig – und die einzige Verbindungsstraße der Largin-Korridor, der war in kürzester Zeit komplett überfüllt….
00:02:59: Obwohl es bis zu armenischen Grenze eigentlich nur neunzig Kilometer sind, dauerte die Flucht zum Teil mehrere Tage.
00:03:07: Auch Tatjana hat diesen Weg hinter sich!
00:03:09: In Jerevan der Hauptstadt Armenians hat für sie ein neuer Lebensabschnitt angefangen – heute machts ihr eine Ausbildung zur Buchhalterin.
00:03:18: Doch in der neuen Heimat anzukommen, das war nicht einfach erinnert Sie sich?
00:03:22: Denn obwohl die Bergkarabacher ethnisch gesehen Armenia Gibt es Unterschiede in der Kultur, Mentalität und in der Sprache?
00:03:36: Am Anfang, als ich nach der Schule nach Hause kam, habe ich erst mal geweint.
00:03:41: In der Klasse habe ich mich nicht getraut, auch nur ein Wort zu sagen.
00:03:45: Wir Azacha waren still – selbst wenn wir die Antwort wussten!
00:03:48: Das lag an unserem Dialekt.
00:03:50: Wir fielen auf.
00:03:51: Es gab sogar Lehrer, die uns benachteiligt haben.
00:03:53: Der Konflikt ist in Armenien ein heißes Eisen.
00:03:56: Sie haben zu uns gesagt, Azach gehört euch nicht.
00:03:59: Verhalte durch normal.
00:04:00: Manche versuchten ihre Herkunft deshalb zu verheimlichen aus Scham und Angst vor
00:04:05: Ausgrenzung.".
00:04:09: Mit Arzach meint Tatjana übrigens die Republik Berkarabakh, ein de facto Stadt auf aserbaldianischem Boden.
00:04:17: De facto deshalb weil er die Autonomie zwar deklariert hat diese international aber nie anerkannt worden ist.
00:04:24: Der Konflikt um die Republik hat die armenische Gesellschaft tief gespalten.
00:04:29: Auf der einen Seite wollen die Armenia die Enklave natürlich behalten und am liebsten zurück haben.
00:04:35: Sie sind sauer, dass die Politik nicht mehr versucht hat um die Vertreibung zu verhindern.
00:04:39: Und auf der anderen Seite hat schon der erste Krieg um Bergkara Bach das war in den neunziger Jahren über dreißigtausend Leben gekostet und das sieht man zum Beispiel wenn man durchs Land fährt immer wieder Soldatenfriedhöfe gekennzeichnet durch armenische Flaggen.
00:04:57: Auf meiner Reise treffe ich Menschen die dieser Verlust hat getroffen hat.
00:05:01: Zakaran Guyana zum Beispiel Eine Frau Anfang sechzig, die deutlich älter aussieht als sie ist.
00:05:08: Auch sie ist aus Bergherr-Bach geflohen und ihr Sohn fiel bei der letzten Militäroffensive von Azerbaijan im September XXIII – Die Erinnerung an ihn trägt sie nun immer bei sich.
00:05:18: Sein Foto steckt in einem Medaillon das um ihren Hals hängt!
00:05:27: Sehen Sie,
00:05:28: wie hübsch er war?
00:05:29: Wie klug!
00:05:29: Er hatte eine große Zukunft vor sich.
00:05:32: Es gibt keinen Augenblick in dem ich nicht an ihn denke.
00:05:35: Unser Leben geht weiter aber
00:05:37: nichts
00:05:37: kann mir meinen Sohn ersetzen.
00:05:39: Ich fühle mich leer.
00:05:40: Das eigene Kind zu verlieren ist das schlimmste was einer Mutter passieren kann
00:05:46: Eine Begegnung die mich berührt und die mich ziemlich nachdenklich macht.
00:05:51: Kann es jemals Versöhnung geben, wenn in Familien ein Bruder, ein Freund oder ein Onkel gefallen ist?
00:05:57: Sind Vergebungen oder Sühne überhaupt denkbare Kategorien?
00:06:01: Oder habe ich da mal wieder meine deutsche Brille auf.
00:06:04: Zoomen wir nochmal ganz kurz raus!
00:06:06: Wem das Territorium um Bergkarabach gehört darüber streiten sich Armeña und Aseris schon ganz schön lange.
00:06:13: Völkerrechtlich gesehen steht es als Erweidjahn zu.
00:06:17: Beide Seiten sehen die Region aber als Teil ihrer Geschichte.
00:06:21: Neben den historischen Gebietsansprüchen geht es bei dem Konflikt auch um das kulturelle Erbe, um Bodenschätze und die Religionszugehörigkeit.
00:06:30: Ein besonderes Wunderpunkt!
00:06:31: Denn schon war es im christlichen Armenien einen schlimmen Genozid.
00:06:38: Da haben Soldaten des osmanischen Reichs anderthalb Millionen Menschen auf grausamste Weise getötet.
00:06:45: Und obwohl die systematische Vernichtung der armenischen Bevölkerung ausreichend belegt ist, erkennt die Türkei den Völkermord bis heute nicht an.
00:06:53: Die provestliche Regierung unter Premierminister Nikol Pashinyan will das Kriegsball nun endlich begraben und der Gewaltspirale mit Azerbaijan einen Riegel vorschieben.
00:07:04: Das wiederum finden viele Armenia gut – denn Frieden und stabile Beziehungen zu den Nachbarn könnten auch die Wirtschaft nach vorne bringen!
00:07:12: Wie der Krieg das Land verändert hat, will ich von Sebastian Heisch wissen.
00:07:17: Sebastian ist Länderreferent bei Renovabis – dem katholischen Hilfswerk für Menschen in Osteuropa.
00:07:23: Ich treffe ihn in Armenien, wo er viele soziale Projekte betreut.
00:07:27: Nach einem Mittagsimbiss setzen wir uns an einen ruhig gelegenen See und Sebastian erklärt mir,
00:07:38: Was ziemlich krass war, war tatsächlich das Vor- und Danach.
00:07:42: Also ich war da vor schon ein paar Mal in Armenien ... Und Armenier sagen von sich selber, dass wenn sie sich treffen auf der Straße ist, wird immer erst mal ein Witzchen erzählt.
00:07:52: Jeder ist eigentlich relativ locker drauf.
00:07:54: Man kennt sich, man umarmt sich.
00:07:56: Das gehört einfach so zum armenischen Leben dazu.
00:07:59: Nach diesem zweiten Bergkarabakhrieg oder den Angriff und die Vertreibung er von ... Hunderttausend von Menschen war dieser Witz auf einmal weg.
00:08:11: Und diese Exodus, diese Vertreibung hat natürlich die Seele der Armenia ganz tief berührt aufgrund des Genozides, aufgrund dieses dunklen Kapitels in der armenischen Geschichte.
00:08:24: und was die Armenie glaube ich nicht nur traurig sondern auch verängstigt und tief beruhrt hat ist die Tatsache dass niemand geholfen hat.
00:08:31: also ihre ehemalige Schutzmacht Russland hat mehr oder weniger tatenlos zugesehen.
00:08:38: Aber auch wir, die EU oder die westlichen Länder haben nichts getan und Armenien ist und bleibt ein kleines Land.
00:08:46: Es gibt nur zwei Komma fünf Millionen Armenia in diesem land das es ein Kleines klitzekleines folg was sich natürlich selbstständig nicht wehren kann und Die auf Hilfe von außen angewiesen sind.
00:08:57: Und diese hilfe ist ausgeblieben.
00:09:00: und dass hat viele armenia schockiert verängstigt und traumatisiert.
00:09:05: Und nicht nur die Geflüchteten, sondern auch die Armenier in Armenien.
00:09:08: Die wirklich Angst hatten ... dass die Azar-Bajanis das komplette Land einnehmen.
00:09:14: Ihr Mitronovaris unterstützt ja viele von diesen Gefluchteten aus Bergkarabacht.
00:09:19: Wie versucht ihr sonst, die Integration aber auch die psychosoziale Bewältigung dieser Folgen aufzufangen?
00:09:28: Zunächst am Anfang als die Vertreibung eben stattgefunden hat waren die Bedarfe natürlich ganz klar erst mal den vielen Geflüchteten ein Dach über dem Kopf zu sichern.
00:09:38: Das heißt, da waren Projekte die hauptsächlich in diesem Bereich Wohnraumschaffung gingen.
00:09:44: Da muss man sagen dass die Armenier... Die armenische Bevölkerung nicht der armenischen Staat sondern wirklich jeder einzelne Armenia glaube ich wirklich großes geleistet hat.
00:09:55: Die Gefluchteten wurden als Brüder und Schwester aufgenommen und auch irgendwo verteilt.
00:10:00: Und man darf ja nicht vergessen, dass Armenien jetzt kein superreiches Land ist oder eine superreiche Nation im Wohlstand wie Deutschland sondern eines der ärmsten Länder immer noch ist.
00:10:10: Und trotzdem haben die Menschen ihre Häuser und ihre Wohnungen geöffnet und entfernte Bekannte oder auf Fremde aufgenommen.
00:10:20: über die Zeit hat sich natürlich jetzt der Bedarf auch geändert.
00:10:23: Jetzt gehen die Projekte mehr in Richtung Integration in Richtung Ausbildungsprogramme.
00:10:31: Es geht darum, zu gucken wie die Menschen.
00:10:35: vor allen Dingen jetzt nach Dreijahrns ist die Unterstützung des Staates für viele der Geflüchteten ausgesetzt.
00:10:40: also es gibt immer weniger Geld für die Geflüchte das heißt sie müssen ihr selber Geld verdienen.
00:10:45: und da geht's jetzt eben drum zu gucken Wie können wir beziehungsweise wie kann können unsere Partner hier vor Ort Die Menschen wieder in Lohn- und Brot bringen?
00:10:53: Jetzt ist das schon ein paar Jahre, kann man sagen her.
00:10:57: Wie ist so aktuell die Situation der Geflüchteten?
00:11:01: Was kriegst du davon mit?
00:11:03: Es ist ganz unterschiedlich.
00:11:04: es gibt Familien, die sich wunderbar integriert haben und jetzt dabei sind ein neues Leben sich in Armenien aufzubauen.
00:11:12: Es gibt aber auch genügend Familie noch, die sagen ne unsere Zuhause ist die Bergkara Bach Region.
00:11:17: wir haben da vielleicht gerade erst unser Haus gebaut oder oder?
00:11:20: oder?
00:11:21: Wir haben unseren Bauernhof.
00:11:23: Ich denke, bei vielen ist die Hoffnung zurückzukehren schon noch ganz tief im Herzen drinnen.
00:11:28: Auch wenn es jetzt politisch eigentlich unmöglich erscheint, bleibt
00:11:33: schwierig.".
00:11:34: Nach den Militäroffensiven in dem Jahr- und Jahrzehntag hat er dabei ja nämlich die Kontrolle übernommen – militärisch und administrativ.
00:11:44: Das heißt, die selbsternannte Republik Azach gibt das gar nicht mehr!
00:11:48: Arminien, das hat Sebastian gerade schon erwähnt ist ein ziemlich armes Land.
00:11:54: Laut World Vision lebt fast ein Viertel hier unterhalb der Armutsgrenze und ich finde das merkt man auch.
00:11:59: wenn man ein bisschen außerhalb der Hauptstadt unterwegs ist sieht man viele abgerockter Häuser im Winter.
00:12:05: es ist darin kalt weil viele Familien kein Geld haben zum Heizen und mehrfach müssen wir auch anhalten weil uns eine Schafs- oder Ziegenherde passiert.
00:12:15: Schafzucht ist in ländlichen Gebieten auf die einzige Existenzgrundlage.
00:12:20: Ihr müsst euch das Leben also sehr einfach vorstellen, auf dem Land und ich will von Sebastian wissen was ihn eigentlich motiviert in diesem Land aktiv zu sein?
00:12:29: Diese Definition von Arm wenn wir von armen Menschen sprechen, sprechen wir ja eigentlich ausschließlich davon dass sie kein Geld haben.
00:12:38: Und ja, das gibt's in vielen Bereichen oder Regionen und es ist Armenien definitiv ein Land was nicht sehr viel Geld hat.
00:12:43: Oder wo das Geld sehr ungleich verteilt ist und wo viele Menschen wenig Geld besitzen.
00:12:50: Aber Armenien isst eben überhaupt nicht arm wenn es um Kultur geht Wenn es um Gastfreundschaft geht Wennes um Landschaft geht, wenn es wenn es Um Glaube geht.
00:13:01: Und ich denke Armenien ist ein land wo Ich persönlich immer Jedes Mal erstaunt bin, wenn ich hier bin.
00:13:09: Wenn ich hier herreisen darf und die Gastvorenschaft spüren darf... ...wenn ich das Essen essen darf oder die Lieder höre, wenn man in die Kirche geht.
00:13:19: Das Land ist eigentlich alles andere als arm.
00:13:22: Da nimmt man immer auf jeder Reise was mit, lernt etwas Neues.
00:13:26: Das ist glaube ich die große Motivation.
00:13:28: Was ist dein Lieblingsessen?
00:13:31: Boah!
00:13:32: Mein Lieblungsessen in Armenien Ich würde sagen definitiv die vielen verschiedenen Barbecue-Sorten oder Variationen, die es hier gibt.
00:13:40: Da gehe ich definitiv mit!
00:13:42: Die armenische Küche kann richtig was – sie ist bekannt für ihr gegrilltes Fleisch in würziger Marinade, Oberginenröhrchen und Väterkäse, Fladenbrot mit frischen Kräutern und leckere Joghurtpaste Und dazu werden natürlich jede Menge Salate serviert.
00:13:59: Das buttrige Hefeteiggebäck ist ein Gedicht Und natürlich darf auch ein Glas Rotweinig fehlen, oder zwei.
00:14:06: Oder drei?
00:14:08: Die Weinkultur der Kaukasusrepublik ist nämlich ziemlich alt und wird über die Landesgrenzen hinaus exportiert.
00:14:14: Sogar Granatapfelwein wird in Armenien hergestellt – und der, Spoiler, schmeckt überraschend gut!
00:14:21: Und wo wir schon bei Land & Leuten sind... Hier sind drei Fun Facts, die ihr über Armenien wissen solltet….
00:14:27: Es leben ungefähr dreimal so viele Armeenier außerhalb des Landes wie in Armenien.
00:14:33: Dass es so eine große Diaspora gibt, das hat mit dem Genozid zu tun, den ich eingangs erwähnt habe.
00:14:40: Kommen wir zur Fanfekt Nummer zwei!
00:14:42: Der Berg Ararat ist das armenische Nationalsymbol auch wenn er heute auf türkischem Staatsgebiet liegt.
00:14:50: Noch so eine Territoriumsgeschichte.
00:14:52: Tagsüber kann man den schneebedeckten Riesen übrigens aus der Ferne bewundern und falls er mal wieder vernebelt ist, dann sieht man ihn sonst auch auf fast jedem Souvenir.
00:15:02: Übrigens ist das genau der Berg, auf dem Noah angeblich mit seiner Arche gelandet sein soll!
00:15:08: Und lasst euch auf keinen Fall auf ein Schachtournier ein.
00:15:12: Das wäre also Fun Fact Nummer drei, denn die Armenia sind da ziemlich fit drin!
00:15:17: Sie lernen die Regeln schon in der Grundschule und betrachten es als sowas wie ihren Nationalsport.
00:15:22: Und dann hat Sebastian noch einen extra Tipp für alle Modebewussten unter uns
00:15:27: Wenn man vorhat nach Armenien zu reisen und man möchte als Tourie nicht auffallen Dann empfehle ich jedem ausschließlich schwarze Kleidung mitzunehmen, weil die heißeste Farbe in Armenien ist schwarz.
00:15:38: Vor allen Dingen unter Männern als Mann von oben bis unten schwarz angezogen und vielleicht noch eine Zigarette in der Hand und man gilt als einheimischer.
00:15:47: Ich habe fast keine schwarzen Sachen deswegen stehe ich immer als Turi oder als Ausländer raus.
00:15:53: Jetzt aber noch mal zurück zum Thema.
00:15:56: Wie schafft es eine Gesellschaft nun, die eine so dunkle Vergangenheit hat, die zum Großteil gar nicht in ihrem Land lebt?
00:16:04: Überhaupt zusammenzuhalten!
00:16:06: Dazu die Einschätzung von Sebastian.
00:16:08: Was ich gelernt habe ist das obwohl Armenien so klein sind, dass gravierende Unterschiede zwischen West-Amenian und Südamenian gibt.
00:16:18: Das kann ich als Außenstehender, werde ich niemals begreifen.
00:16:21: Und ich glaube selbst wenn ich jetzt hier herziehen würde und die nächsten zwanzig Jahre hier lebe dazu muss man Armenia sein um das wahrscheinlich wirklich so verstehen.
00:16:29: was aber auch auffällt es gibt ja mittlerweile fast zehn Millionen Armenier die eben im Ausland leben.
00:16:35: Die sind in Frankreich die sind in Amerika die sind Deutschland die sind zweite dritte Generation die sagen über sich Aber dennoch sie sind Armenian Obwohl sie vielleicht nur einmal im Jahr nach Armenien fliegen oder noch nie da waren.
00:16:48: Also, so gesehen gibt's da wieder eine extreme Identifikation mit dem Land und der Kultur und der Geschichte, der traurigen Geschichte oder der Faszinierenden, der komplexen Geschichte.
00:17:01: Man identifiziert sich als Armenia aber man ist auch stolz auf seine individuelle Kultur.
00:17:08: Und
00:17:09: aktuell politisch gesehen gibt es glaube ich Doch ziemliches Spannungen.
00:17:16: Wir haben gesehen, dass es zwischen der aktuellen Regierung und der armenisch-apostolischen Kirche, der Staatskirche gerade große Zerwürfnisse gibt, gegenseitige Anfeindungen...
00:17:27: Hier erlaube ich mir noch mal einen klitzekleinen Einschub!
00:17:31: Denn was da gerade zwischen der armanisch- apostolischen kirche und der Regierung abgeht, das ist mehr oder weniger absurd….
00:17:39: Unter anderem kursiert zum Beispiel ein Sexvideo, das angeblich einen Priester mit seiner zehn Jahre älteren Tante zeigen soll.
00:17:47: Gegen das Oberhaupt der Kirche stehen Vorwürfe im Raum – er habe eine Tochter!
00:17:52: Trotz Zölibarz versteht sich.
00:17:54: und obendrauf behauptet die Regierung ganz offen «der Kirchenmann sei ein KGB-Agent und stecke mit Russland unter einer Decke».
00:18:02: Die Kirchenleitung streitet diese Vorwüfe natürlich ab und fordert ihrerseits den Rücktritt des regierenden Premiers.
00:18:09: Diesem wird wiederum vorgeworfen, sich in kirchliche Angelegenheiten einzumischen.
00:18:14: Es gab sogar schon ein paar Priester die angeblich sehr konkrete Putschpläne gegen die paschinean Regierung geschmiedet haben – die sitzen mittlerweile allerdings in Haft!
00:18:25: Wenn ihr mehr über den Beef zwischen Staat- und Kirche wissen wollt dann schaut mal auf dumradio.de vorbei.
00:18:31: In den Shownotes habe ich euch ein paar Artikel dazu verlinkt.
00:18:35: Armenia sind, so habe ich sie erlebt tief religiöse Menschen.
00:18:39: Den kann es nicht egal sein.
00:18:41: also ich denke dass dieser Konflikt auch wenn's auf politischer Ebene ist das nimmt jeden mit auch irgendwo in einem Dorf oder sowas.
00:18:47: Also ich denke da ist aktuell doch eine Spannung da und Ich glaube auch Und ich sehe das in vielen osteuropäischen Ländern und hier in Armenien eben auch diese Spannungen zwischen den Generationen.
00:18:59: Es gibt die Generation Die Eltern die Großeltern die unter sowjetischen Medien und Zeiten aufgewachsen sind, die Russland kennen als Freund und als Vertrauten.
00:19:09: Die russische Medien konsumieren, die Russe sprechen usw.
00:19:13: Und dann gibt es die junge Bevölkerung, die eher auf die EU blickt, auf unsere Werte, auf unsere Möglichkeiten... ...und das ist in Armenien aber noch mal komplizierter und nochmal verquirlter.
00:19:27: Aber im Großen und Ganzen glaube ich bist du also Armenia erst einmal Armenia und man hält zueinander
00:19:33: Und siehst du Armenien auf EU-Kurs?
00:19:37: Ich denke schon.
00:19:38: Als ich hier bei Renovavis vor vier Jahren angefangen habe und meine erste Dienstreise gemacht hat, war das noch ganz anders.
00:19:44: Da standen an der Grenze russische Soldaten da war Russland noch die Schutzmacht.
00:19:51: Wir haben Projekte in Norden im Giumri, da gibt es eine große Kaserne.
00:19:54: als wir wieder ein landwirtschaftliches Projekt besucht haben sind russischer Panzer an uns vorbei gefahren Kampfjets über uns drüber geflogen, also da war Russland wirklich noch präsent.
00:20:04: Jetzt drei Jahre später sind die russischen Grenzsoldaten nicht mehr da, sie sind ersetzt worden durch armenische Soldaten.
00:20:13: Die Kaserne in Jumri ist immer kleiner geworden, die Soldaten wurden abgezogen wahrscheinlich in die Ukraine und man merkt dass es ein Umdenken zumindest auf Regierungsebene gibt Ein Hinwenden zur EU weil man sich von Russland vergessen und wahrscheinlich betrogen gefühlt hat mit dem Angriff auf die Berg-Harabach-Region.
00:20:37: Da schließt sich der Kreis also, wir sind wieder bei der Frage wie können Vertriebene in Arminien richtig ankommen?
00:20:44: Kann Integration überhaupt funktionieren in einem Land das selbst vor großen Herausforderungen steht?
00:20:51: Auf meiner Reise habe ich auch einen Bildungszentrum besucht – in Jegeg Nazor einer Stadt im Süden.
00:20:57: In der ländlich geprägten Region sind seit dem Krieg ungefähr zweitausendfünfhundert Flüchtlinge untergekommen.
00:21:03: An den Wänden des Ateliers kann ich bunte Bilder sehen, Kunstwerke von den Malkursen die hier am Wochenende stattfinden.
00:21:10: Sie sollen Jugendliche auf eine Hochschulaufbahn vorbereiten.
00:21:14: Als ich reinkomme herrscht eine konzentrierte Atmosphäre.
00:21:18: Ein junger Armenia hat zum Beispiel Earpods im Ohr und zeichnet gerade ein überdimensional großes Gesicht auf einer Staffelei.
00:21:26: Andere beugen sich über ihre geometrischen Dredetzeichnungen mit Bleistift.
00:21:31: Von den thirty-fünf Teilnehmern kommen sieben aus Bergkarabach, so wie die fünfzinnige Milena.
00:21:37: Sie will Architektin werden und kommt deshalb jeden Samstag hierher – denn die dreistündigen Kurse sind kostenlos!
00:21:47: Manchmal kreisen meine Gedanken im Kreis.
00:21:50: Wenn ich jetzt zeichne, vergesst nicht alles um mich
00:21:52: herum.".
00:21:53: Und genau darum geht es auch, erklärt mir Hayarpi Agha Kanyan von der Community Development NGO.
00:22:00: Eine Organisation die die Malkurse zusammen mit dem Hilfswerk Renovabis finanziell
00:22:06: ermöglicht.".
00:22:11: Am Anfang haben die Kinder fast nur mit dunklen Farben gemalt – das hat uns der Lehrer erzählt!
00:22:16: Ein Spiegel ihrer inneren Verfassung.
00:22:18: Sie meiten Kirchen, Berge und Motive aus ihrer Heimat.
00:22:22: Nach drei, vier, fünf
00:22:23: Monaten benutzten
00:22:24: die Kinder schon fröhlichere Farben –
00:22:27: Rot-, Gelb-,
00:22:28: Grün- und meiten Blumen,
00:22:29: Herzen,
00:22:30: Comicfiguren usw.
00:22:32: Aber das Wichtigste ist, sie sind offener geworden!
00:22:35: Wir hoffen,
00:22:36: dass sie so den Verlust ihrer Heimat und ihr Trauma in der Kunst verarbeiten
00:22:40: können.".
00:22:44: Hayapi erzählt mir, dass der Krieg bei vielen Kindern Spuren hinterlassen hat.
00:22:49: Manche hätten seit den Bomben-Explosionen Schwierigkeiten zu sprechen.
00:22:54: Überhaupt würden viele Bergkarabacher auch die Hoffnung verlieren ohne Job und ohne Perspektive.
00:23:00: Es ist schwer für sie ein neues Leben zu beginnen weil Sie alles verloren haben.
00:23:06: Alle Geflüchteten mit denen ich spreche wollen irgendwann wieder zurück.
00:23:10: Anush, die ich zu Hause besuche, schaut sich jeden Abend YouTube-Videos an von den ihr bekannten Straßen und Häusern oder Dörfern einfach um die Erinnerung daran wachzuhalten.
00:23:24: Ich fühle mich hier Zuhause weil ich hier wohne und arbeite aber sollte es nur die kleinste Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr geben sind mein Mann und ich die allerersten gehen.
00:23:38: In Bergkarabach war sie Tanzlehrerin.
00:23:40: Tanzen ist für Sie wie Therapie, sie tanzt um den Schmerz abzuschütteln – zumindest für einen kleinen Augenblick!
00:23:49: In Tanzkursen ermöglicht sie das Jugendlichen die ebenfalls aus Bergkarabbach geflüchtet sind.
00:23:54: Die sechzinierige Tatjana, die ihr am Anfang der Folge gehört habt sieht das ähnlich.
00:24:00: Arzar wird noch unserem, wenn wir uns übernommen werden.
00:24:04: Arzach wird irgendwann wieder uns gehören.
00:24:07: Wir dürfen das nur nicht
00:24:08: vergessen.".
00:24:09: Körperlich anwesend sein, aber im Kopf – wo ganz anders?
00:24:13: Das stelle ich mir superanstrengend vor!
00:24:16: Fremd in einem Land, dass eigentlich Heimat ist… irgendwie oder zumindest sein sollte... Die Flüchtlinge von Bergkara Bach haben eine leidgeplagte Geschichte im Gepäck und doch finden sie kreative Wege damit umzugehen.
00:24:33: Aminien hat mich beeindruckt.
00:24:35: Am Tag der Abreise liege ich noch lange wach und sortiere die Bilder im Kopf.
00:24:39: Die kagen Landschaften mit den uralten Klöstern in den Hängen, die dörflichen Szenerien durch die ein Straßenhund streift – dann ganz lange wieder nur Straße und sonst nichts!
00:24:51: Und natürlich die Menschen, die trotz all der Herausforderungen stark bleiben, Wärme ausstrahlen und irgendwie das Beste draus machen….
00:24:59: Ein super spannendes Land, in das sich bestimmt nicht zum letzten Mal gereist bin.
00:25:05: Habt ihr Ostblick eigentlich schon abonniert, um keine Folge mehr zu verpassen?
00:25:09: Zum Beispiel die nächste.
00:25:10: Da geht's nämlich nach Serbien – ein Land in dem politisch gerade ziemlich viel los ist und wo die gesellschaftliche Spaltung ebenfalls ein Riesenproblem ist!
00:25:19: Ich freue mich wenn Ihr dann auch wieder hier dabei seid.
00:25:32: dem katholischen Hilfswerk für die Menschen im Mittel- und Osteuropa.
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