Serbien: Bleiben oder gehen? Ungewisse Zukunft für junge Menschen

Shownotes

Korruption, politische Spannungen, hohe Jugendarbeitslosigkeit: Viele junge Menschen in Serbien fragen sich, ob ihre Zukunft noch im eigenen Land liegt – oder längst woanders.

Nach dem Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad und den darauffolgenden Protesten ist die Unzufriedenheit besonders spürbar. Studierende, Lehrkräfte und viele andere gehen auf die Straße für Veränderung. Doch wie lebt es sich in einem Land zwischen EU und Russland-Nähe? Warum verlassen so viele gut ausgebildete junge Menschen Serbien? Und was müsste passieren, damit sie bleiben? Genau darüber sprechen wir mit Caritas-Mitarbeiterin Ana Djergović, Hochschuldozentin Anita Govlja und Renovabis-Referentin Christiana Hägele.

Credits an Nicolas Riedmiller, Presse und Öffentlichkeitsarbeit Renovabis, für die Vermittlung der Protagonisten und die Projekt-Begleitung.

Wie ihr die Arbeit des Hilfswerks Renovabis unterstützen könnt, erfahrt ihr hier: https://www.renovabis.de/mitmachen/pfingstaktion-und-jahresthema

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00:00:02: The young people are angry

00:00:05: angry on the system and everthing what happend around them

00:00:08: unregular elections, a lot of violence, corruption, the weird political system.

00:00:29: Was diese Protestbewegung auf jeden Fall bewirkt hat, ist dass viele junge Menschen in Serbien sich mit ihrer Rolle als Bürger also zivilgesellschaftlich eigentlich ein Bewusstsein gebildet

00:00:44: haben.

00:00:50: Hier sprechen wir mit echten Menschen von vor Ort, die uns aus ihrer Erfahrung berichten und mit Experten, die uns wichtige Hintergründe dazu liefern.

00:00:58: Wir wollen wissen: was bewegt die Menschen im Alltag?

00:01:02: Welche gesellschaftlichen Gräben gilt es zu überwinden?

00:01:05: Und was für Ansätze gibt's dafür 

00:01:07: schon?

00:01:08: Heute gucken wir speziell nach Serbien – ein Land in dem sich gerade viele junge Leute überlegen, ob ihre Zukunft überhaupt noch dort liegt oder ob sie lieber ins Ausland gehen wollen!

00:01:18: Die Gründe dafür und welche Auswirkungen die jüngsten Proteste auf die Stimmung im Land hatten, darum dreht sich diese Folge.

00:01:25: Ich bin Elena, eurer Host.

00:01:27: Schön, dass ihr mit dabei seid!

00:01:29: Wir haben wirklich einiges vor und deswegen habe ich mir für diese Folge viel Lokalkompetenz geholt und geballte Frauenpower eingeladen.

00:01:38: Vielleicht könnt ihr euch direkt mal selbst auf Serbisch vorstellen?

00:01:41: Dann haben wir diese wunderschöne Sprache auch einmal im Ohr... Und ich begrüße als erstes Mal Ana.

00:01:47: Ana Djerkovic arbeitet bei der Caritas in Serbien und ist uns heute aus der Hauptstadt zugeschaltet.

00:01:54: Nice to have you!

00:01:55: Hallo,

00:01:56: здrava sveima!

00:01:57: Moje ime je Anna Djergovic i asam projekt na koordinatorka o Karitas u Srbije.

00:02:04: Anita Govlja ich hoffe ich hab's jetzt richtig ausgesprochen Sprachdozentin an der Universität von Novi Sad, der zweitgrößten Stadt in Serbien.

00:02:13: schön dass du auch bei uns bist.

00:02:15: Ja, es

00:02:15: war perfekt.

00:02:16: Hallo!

00:02:17: Ich bin Anita Govja und treffe jetzt Professorin an der Pilosophischen Universität Nomsado.

00:02:25: Und last but not least Christiana Hägele, Länderreferentin für Serbien beim Osteuropahilfswerk Renovabis mit Sitz in Freising bei München.

00:02:34: Hallo Christiana!

00:02:46: Hast du jetzt gesagt, dass du auch schon mal in Serbien gelebt hast und die Sprache gelernt hast?

00:02:50: Wow!

00:02:51: Ich hab's verstanden.

00:02:53: Cool So.

00:02:55: the second little ice-breaking task that I have for you is could describe... Wenn ihr Serbien in drei Worten beschreiben müsstet,

00:03:04: welche wären das?

00:03:08: Mal sehen hektisch und interessant.

00:03:15: Hektisch, schön und interessant.

00:03:18: Maybe...

00:03:20: how do you say

00:03:21: it in English?

00:03:22: Hospitality

00:03:23: Gastfreundschaft essen und

00:03:25: viel Spaß!

00:03:26: Good fun!

00:03:27: I think i need to try some Serbian food.

00:03:31: Christiane!

00:03:34: Du hast ja auch die Gastfreunenschaft der Serben schon kennengelernt.

00:03:36: was wären deine drei Begriffe?

00:03:41: Dynamisch, komplex, warmherzig.

00:03:46: Sehr schön!

00:03:47: Ja ich glaube von all dem was ihr gerade so ein bisschen genannt habt, werden wir heute ein bisschen mehr kennenlernen und vielleicht auch wiedererkennen im Laufe des Gesprächs weil Serbien... vielen ja vielleicht gar nicht mal so ein Begriff ist.

00:03:59: Wir haben zwar viele serbische Gastarbeiter in Deutschland hier gehabt, in den Sechziger-Siebzigerjahren und auch nach den Jugoslawienkriegen sind viele Flüchtlinge gekommen aber ich glaube die wenigsten waren ja selbst schonmal in Serbien und deswegen bin ich total froh dass wir hier in dieser Runde heute miteinander sprechen können.

00:04:20: Ich würde ganz gerne starten bei der politischen Lage, weil so das letzte was bei uns hier in den Nachrichten war, woran ich mich aktiv erinnern kann, waren wahrscheinlich die Studentenproteste.

00:04:33: Auslöser war, wenn wir das nochmal kurz rekapitulieren ein eingestürztes Bahnhofsdach.

00:04:39: Bahnhofsvordach um genauer zu sein.

00:04:41: Das war im November 2024 und dabei sind 16 Leute gestorben.

00:04:47: Und der Knackpunkt dabei war, dass es eben nicht einfach nur ein Unfall war, sondern dieser Bahnhof war frisch saniert.

00:04:55: Das Dach war niegelnagelneu und deswegen war ziemlich offensichtlich, da war Pfusch am Bau.

00:05:02: Und die Pläne waren nicht in Ordnung – das haben dann später auch Experten bestätigt und viele glauben eben es liegt an der Korruption im Land.

00:05:14: Viele Studierende, Lehrkräfte, Landwirte, Anwälte aber auch ganz viele andere gesellschaftliche Akteure sind auf die Straße gegangen und haben gefordert, dass diese Tragödie strafrechtlich verfolgt wird.

00:05:27: Also dass da Leute zur Verantwortung gezogen werden und aber eben auch Neuwahlen.

00:05:34: Das gehörte auch zu den Forderungen der Protestierenden. Ich würde jetzt dich gerne mal fragen, Ana.

00:05:40: Wie würdest du da aktuell die Stimmung unter den jungen Leuten in Serbien beschreiben?

00:05:46: Wir haben diese Proteste ausgestrahlt?

00:05:54: Die

00:05:54: jungen Menschen sind wütend über das System und alles, was um sie herum passiert.

00:06:00: Sie wünschen sich eine bessere Zukunft. Keine unabhängigen Wahlen, viel Korruption.

00:06:05: Es

00:06:05: war

00:06:05: wirklich hart

00:06:06: als die Fakultäten geschlossen wurden weil sie jetzt viele Prüfung haben.

00:06:11: es ist nicht normal dass man sich als junger Mensch mit so etwas umplagen

00:06:14: muss.

00:06:19: Kurz zur Erklärung, viele staatliche Unis waren während der Studentenproteste geschlossen.

00:06:25: Es herrschte Ausnahmezustand und das monatelang.

00:06:28: Die Besetzung von Fakultäten gehörte zu diesen Protesten.

00:06:32: dazu – und erst so gegen Ende 2025 kehrten die Hochschulen langsam in ihren akademischen Betrieb zurück.

00:06:40: Ich frage Anna, wogegen genau richtet sich denn diese Wut?

00:06:49: Wie

00:06:49: schon erwähnt, gefälschte Wahlen, viel Gewalt, Korruption, dieses ganze seltsame politische System.

00:07:00: Ich merke so richtig weit komme ich nicht.

00:07:03: Ana und Anita sind ziemlich zurückhaltend, als sich sie nach der politischen Lage frage.

00:07:08: Sie haben Angst was Falsches zu sagen.

00:07:11: Wie lässt sich diese Vorsicht erklären?

00:07:15: Leute reden aus vielen verschiedenen Gründen, sind die vorsichtig über Politik zu reden.

00:07:20: Weil schon im privaten Umfeld sie nicht sicher sind wie das Gegenüber dazu vielleicht steht.

00:07:27: dann ist häufig dass zum Beispiel Jobs eher an Parteimitglieder vergeben werden und natürlich Einrichtungen wie die Caritas die auch auf staatliche Förderprogramme angewiesen. Und die ja auch tatsächlich erfolgreich und gut, auch mit staatlichen Stellen wie jetzt Anas Projekt zum Beispiel mit dem Bildungsministerium zusammenarbeitet kann ja auch ein Grund sein da zumindest sich persönlich nicht politisch zu äußern.

00:08:01: Hinzu kommt dass die Regierung unter Präsident Aleksandar Vucic autokratisch regiert bei der letzten Parlamentswahl.

00:08:13: Pressefreiheit wird ohnehin klein geschrieben.

00:08:16: Wie all das die Gesellschaft spaltet, davon berichtet mir auch Thomas Schwarz der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Renovabis.

00:08:25: Serbien ist immer noch unglaublich polarisiert und zwar hängt es eben nicht nur daran, dass die Studentenproteste nach wie vor dort stattfinden und zwar an vielen Orten des Landes sondern auch daran weil die Menschen von dieser Politik, die der Präsident und die Regierung seit Jahrzehnten hin- und herlawieren zwischen einerseits engen Beziehungen zu Amerika auf der anderen Seite doch es sich auch nicht mit Russland verscherzen wollen, genug haben.

00:08:59: Die Menschen möchten eigentlich schon eine klare Orientierung haben und sie möchten vor allen Dingen das haben was zu unserem Standort gehört nämlich, dass das Leben berechenbar ist, dass das Leben frei wird.

00:09:14: Dass sie im Grunde mit ihren Initiativen nicht immer an korrupten Systemsgrenzen halten.

00:09:23: Dass sie nicht, um etwas beruflich erreichen zu können erst in der Partei eintreten müssen oder Schmiergeld an Parteibonzen zahlen müssen.

00:09:35: Sie wollen im Grunde zunächst einmal ihr Leben friedlich und gerade nicht polarisiert fühlen.

00:09:41: Und wie beeinflusst das den Alltag der Menschen?

00:09:45: Das beeinflußt dem Alltag dadurch, dass man im Grunde zunächst mal nicht mehr miteinander spricht.

00:09:53: So wie bei uns die Blasen in den sozialen Medien überall wahrzunehmen sind, es auch in der Gesellschaft Fragmentierungen gibt.

00:10:01: Blasenbildungen, dass Junge mit Alten einfach nicht mehr ein Miteinander des Redens kommt und das auch Leute die im öffentlichen Dienst stehen sehr genau gucken, ob sie auch mit Menschen die der Opposition nahe oder angerechnet werden überhaupt noch gesehen und in Kontakt gesehen werden wollen, weil das ihnen eventuell berufliche Nachteile bringt.

00:10:28: Also diese Sprachlosigkeit dieses Nebeneinanderherleben, dieses Leben in eigenen Echo-Kammern ist in Serbien tatsächlich traurige

00:10:41: Wirklichkeit.

00:10:42: Was Thomas Schwarz hier beschreibt, bestätigen auch Berichte von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

00:10:50: Darin ist die Rede von staatlichen Einschüchterungsversuchen, Diffamierung und juristischem Druck.

00:10:56: Zur Zielscheibe werden vor allem solche Menschen, die dem Regime gefährlich werden könnten – also Oppositionelle, Aktivistinnen oder einfach nur kritische Bürger aus der Zivilgesellschaft!

00:11:08: Seit 2012 ist Serbien offizieller EU-Beitrittskandidat.

00:11:12: Doch auf dem Weg in die Europäische Union, das könnt ihr euch jetzt wahrscheinlich denken, gibt's noch viele Baustellen.

00:11:18: Denn Serbien weigert sich zum Beispiel wegen des Ukrainekriegs Sanktionen gegen Moskau zu verhängen – weil es noch enge Beziehungen zur Russland pflegt.

00:11:27: Als orthodoxer, slavischer Bruder und zudem als günstiger Energieleferant hat Russland immer noch eine Menge zu sagen….

00:11:36: Wie es weitergeht, bleibt also offen.

00:11:38: Die Verhandlungen mit der EU stecken jedenfalls fest.

00:11:42: Eine Unsicherheit die das Land gleichzeitig lähmt – denn gerade junge Leute fragen sich natürlich was soll ich hier eigentlich noch?

00:11:50: Und aus Frust wird ganz schnell Abwanderung.

00:11:53: Viele,

00:11:53: die eine gute Ausbildung in der Tasche haben, gehen lieber ins Ausland und machen dort Karriere.

00:11:59: Hier mal ein paar Zahlen, die das verdeutlichen.

00:12:01: Menschen in Serbien verdienen im Schnitt 900 Euro pro Monat.

00:12:06: Das Bildungsniveau ist allerdings eher low und die beruflichen Aussichten für Jugendliche alles andere als rosig – jeder fünfte Mensch in Serbien zwischen 15 und 24 hat gar keinen Job!

00:12:18: Das sind ungefähr doppelt so viele wie im

00:12:21: EU-Durchschnitt.

00:12:22: Ein Problem, das es in vielen Westbalkanländern gibt.

00:12:26: Die Caritas ist deshalb nicht nur in Serbien sondern auch in Albanien, Bosnien-Herzogowina und im Kosovo aktiv – und will junge Menschen dort empowern zum Beispiel mit Fachberatungen, Bewerbungstrainungsvermittlungen von Praktika, Ausbildungsplätzen oder sogar festen Anstellungen!

00:12:44: Das erklärt mir Ana die das Projekt Your Job übersetzt Dein Job koordiniert.

00:12:51: Well, the title stands for Youth Overcoming Unemployment Regionally Through Job Opportunities on the

00:12:58: Balkans.

00:12:58: Der ganze Titel lautet youth overcoming unemployment regionally through job opportunities.

00:13:06: Das Hauptziel des Projektes besteht also darin, junge Menschen in Arbeit zu bringen.

00:13:10: Es richtet sich an Menschen zwischen fünfzehn und fünfunddreißig

00:13:13: Jahren.

00:13:14: Unsere Coaches bieten individuelle Kalierberatungen an, analysieren die Stärken der Jugendlichen, scannen den Arbeitsmarkt. Sie lernen, wie man einen Lebenslauf schreibt oder sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet.

00:13:41: Von 370 jungen Menschen, die wir begleitet haben, haben es inzwischen 80 geschafft, einen Job zu finden.

00:13:55: Wo hapert's denn am meisten?

00:13:57: Also warum fällt es den Jugendlichen so schweren Job zu ergattern und beruflich anzukommen?

00:14:13: Manchmal liegt es an der fehlenden Qualifikation, manchmal gibt der Arbeitsmarkt in ihrem Bereich gerade nichts her.

00:14:20: Manchmal haben sie zwar einen Abschluss aber sind sich unsicher oder ihnen fehlt es an Motivationen.

00:14:26: Sie brauchen jemandem, der sie an die Hand nimmt und anleitet um den ersten Schritt

00:14:30: zu

00:14:30: gehen.

00:14:33: Wie das gelingen kann, hat Renovabis-Referentin Christiana erlebt bei einem Besuch in Aleksinac.

00:14:39: Das ist so eine kleinere Stadt im Süden des Landes.

00:14:42: Sie ist regelmäßig vor Ort in Serbien um Projektpartner zu besuchen.

00:14:47: Vielleicht kann ich einige Geschichte erzählen an die junge Frau, die das Job-Counseling in Anspruch genommen hat?

00:14:54: Die hatte einen Abschluss in Ingenieurswesen.

00:14:59: In Aleksinac gibt es aber wirklich nur ...

00:15:02: Die wirtschaftliche Situation dort ist nicht so einfach.

00:15:06: Sie wollte aber gern in der Region bleiben und sie hat jetzt tatsächlich eine Stelle als Berufsschullehrerin

00:15:15: für

00:15:16: angehende Textilarbeiterinnen und Arbeiter gefunden, und hat jetzt richtig Spaß an dieser Aufgabe – kann ihr Ingenieursstudium einbringen.

00:15:26: Kann in der Region leben wo sie gerne bleiben möchte weil auch ihre Familie da ist. Und hat ja für sich eigentlich auch entdeckt, dass sie ein Talent dazu hat, auch Lehrerin zu sein was sie vorher von sich gar nicht wusste.

00:15:42: Das fand ich eine schöne Geschichte.

00:15:44: Danke fürs Teilen!

00:15:46: Aber was heißt das denn jetzt genau für Serbien,

00:15:49: wenn die ganzen jungen Leute sagen: Ich hau ab und hoffe auf ein besseres Leben im Ausland. Was passiert dann?

00:15:57: Konsequenzen davon, dass die jüngste und mittlere Generation oft nicht mehr im Land lebt.

00:16:02: Das ist auf jeden Fall eine große Herausforderung.

00:16:06: Also schon seit der Covid-Pandemie aber jetzt noch stärker seit dem Krieg auf die Ukraine sind Preissteigerungen ein massives Problem und zwar sowohl für Wohnen als auch für Lebensmittel und eben für Energie.

00:16:21: Man muss sich wirklich vorstellen, vorhin wurde es schon erwähnt.

00:16:24: Der durchschnittliche Einkommen liegt bei 900 Euro im Monat aber die Mieten, vor allem in den Großstädten Serbiens, sind häufig fast so hoch mittlerweile.

00:16:37: Also das ist wirklich absurd.

00:16:40: Die Städte wachsen auch enorm.

00:16:42: Also eine Gymnasiallehrerin hat mir während der Zeit als ich in Serbian gewohnt habe erzähle sie verdient 650 Euro im Monat hat aber in Novi Sad gewohnt also ohne zwei Verdiener in der Familie hätten die sich die Wohnung gar nicht mehr leisten können und die hatte nen Hochschulabschluss.

00:17:00: Und da kommt auch noch die Herausforderung vom Personalmangel wegen Abwanderungen dazu.

00:17:08: das heißt In der Praxis sieht es dann so aus, dass sich jeder, der das irgendwie leisten kann versucht in Privatpraxen und Kliniken sich behandeln zu lassen.

00:17:20: Die Ausbildung von Ärzten zum Beispiel ist sehr hervorragend in Serbien aber die Investitionen in die Krankenhaustechnik wurden zum Teil vernachlässigt.

00:17:32: Ist das aber nicht eigentlich auch ein Widerspruch, also dass Betriebe Fachpersonal suchen?

00:17:38: Also es offenbar offene Stellen gibt und trotzdem so viele Jugendliche keinen Job finden?

00:17:44: Das ist ja der Punkt.

00:17:46: Es gibt offene Stellen in Serbien, aber diese Passung funktioniert nicht so gut zwischen Schule und Betrieben. Und Abwanderung... Auch Deutschland wirbt hier ganz kräftig im medizinischen Sektor, aber auch in anderen Bereichen die gut ausgebildeten Fachkräfte aus dem Nachfolgestaaten Jugoslawiens an.

00:18:11: Wir haben da ja auch ein verständliches Eigeninteresse, aber für die Länder dort bedeutet das eine echte Schwierigkeit.

00:18:18: Auch zum Beispiel Handwerk.

00:18:20: viele Projektpartnerinnen und Projektpartner von uns, die Renovierungen

00:18:25: z.B.,

00:18:26: durchführen möchten im Rahmen von Projekten, haben große Schwierigkeiten Firmen zu finden die überhaupt Angebote machen weil ja auch so viele Handwerke zum Beispiel nach Deutschland abwandern.

00:18:56: Um zu verstehen warum so viele raus wollen muss man zurückschauen in die Geschichte des Landes. Die Republik Serbien wie wir sie heute kennen gibt es nämlich noch gar nicht so lange.

00:19:06: Bis 1992 gehörte Serbien zu Jugoslawien, einem Bundesstaat.

00:19:12: Zwischen 91 bis 2001 gab es ein paar ziemlich blutige Kriege bei denen sich Volksgruppen die bis dato mehr oder weniger friedlich zusammengelebt haben plötzlich gegenseitig bekämpften.

00:19:25: Unter anderem waren auch Slowenien, Kroatien und Bosnien Herzogovina in die Jugoslavienkriege verwickelt und bei weiteren Konflikten der Kosovo und Mazedonien. Alles Länder, die unabhängig werden wollten – während Serbien den Zerfall Jugoslawiens versucht hat zu verhindern und dafür auch nicht Halt machte vor brutaler militärischer Gewalt.

00:19:47: Es ging also um Macht, um Gebietsansprüche und ethnische Konflikte.

00:19:52: Vielleicht habt ihr schon mal von ethnischen Säuberungen gehört wie dem Massaker von Srebrenica im Jahr 1995. Ein krasses Kriegsverbrechen, bei dem rund 8000 muslimische Männer getötet wurden.

00:20:06: Insgesamt haben damals rund vier Millionen Menschen ihre Heimat verloren und der Staat Jehovaslawien zerfiel – ein ziemlich dunkles Kapitel in der Geschichte Serbiens, das das Land nachhaltig geprägt hat.

00:20:18: Immerhin war Serbien fast ein ganzes Jahrzehnt international komplett isoliert.

00:20:24: Viele haben das Vertrauen in die Politik verloren.

00:20:27: Heute leben in Serbien fast sieben Millionen Einwohner.

00:20:31: Die meisten von ihnen sind orthodox.

00:20:33: Im Zusammenhang des Kriegs wurde natürlich versucht, die nationale Identität als Serben zu stärken.

00:20:42: Konfession ist da ein wichtiges Element und tatsächlich kann man beobachten, dass religiöse Praxis von orthodoxen Menschen in Serbien seit den Neunziger Jahren zugenommen hat.

00:21:00: Zum Beispiel in den Fastenzeiten auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, es denselben auch unter jungen Leuten ganz

00:21:09: gebräuchlich.

00:21:10: Und inwiefern würdest du jetzt sagen ist das vielleicht auch identitätsstiftend orthodox zu sein?

00:21:16: also wie stark identifizieren sich die Serben mit ihrer Religion?

00:21:20: Also für nationale Identität ist auf jeden Fall Orthodoxie was Konstituierendes.

00:21:29: Das ist auch etwas ganz Spannendes, das Menschen in Deutschland oft vielleicht unbekannt oder komisch vorkommt.

00:21:39: Für Ohren von dort wäre es ein totaler Widerspruch zu sagen, dass es eine katholische Serbe ist.

00:21:46: Es würde niemand über sich selbst sagen.

00:21:49: Sondern Menschen in Serbien die katholisch sind... definieren sich als Kroaten oder eben als Ungarn, vielleicht auch als Slowaken oder Ruthenen.

00:22:03: Aber die in der ganzen Region des ehemaligen Jugoslawiens ist nationale Identität, also Serbe sein, Kroate sein – ist ganz eng mit Konfession bzw.

00:22:16: Religion

00:22:17: verbunden.

00:22:18: Christiana hat das Land ganz unmittelbar kennengelernt.

00:22:21: Ein Jahr lang, als sie in Novi Sad gewohnt ist ins Local Life eingetaucht und hat sogar die Sprache gelernt!

00:22:28: Ich will mehr darüber wissen wie sie Land und Leute erlebt hat und was sie an der serbischen Kultur so fasziniert hat.

00:22:34: Genau ich hatte im Jahr 2022 die Möglichkeit ein Sabbatjahr zu machen.

00:22:42: Ich hatte schon im Studium angefangen BKS also Bosnisch Kroatisch Serbisch

00:22:49: Hatte ich schon angefangen zu lernen, hatte aber während meines Studiums nicht mehr die Gelegenheit auch mal länger dort zu leben und es war immer ein Traum von mir.

00:22:59: Deshalb war ich sehr glücklich, dass ich den dann verwirklichen konnte habe das genutzt um intensiv einen Jahr lang Sprachkurs zu machen.

00:23:08: dort bin aber auch ja mit meinen Hobbies die ich da ausgeübt hab wo ich auch immer die einzige Ausländerin war, ganz gut eingetaucht.

00:23:20: Jetzt musst du natürlich verraten welche Hobbys?

00:23:23: Ich hab zufällig als Kind in Deutschland schon serbische aber auch bulgarische, mazedonische Volkstänze kennengelernt

00:23:31: und habe die Musik

00:23:33: immer geliebt und hab auch in Deutschland mit Menschen getanzt

00:23:38: die familiäre Wurzeln in ganz Jugoslawien haben.

00:23:42: Über diese Liebe zur Musik und zum Tanz kam natürlich das Interesse an der Kultur, an der Geschichte in allem wie es halt so ist.

00:23:48: Wenn man Freundschaften schließt dann will man auch mehr wissen.

00:23:51: Ana

00:23:52: hat vorhin ja auch Gastfreundschaft erwähnt.

00:23:55: Wie wichtig ist denn das Essen dabei?

00:23:57: Oder vielleicht nochmal ganz konkret gefragt - was wäre so das beste Gericht,

00:24:01: was du in Serbien so probiert hast?

00:24:06: Also hoch auf meiner Liste ist auf jeden Fall Sarma.

00:24:10: Das sind so Krautwickel gibt es ja ähnlich in Nachbarländern.

00:24:14: Aber ich liebe auch einfach zum Beispiel die guten sehr reifen Wassermelonen, die es halt in Serbien wie in anderen südlichen Ländern gibt im Vergleich zu Deutschland also ganz vieles

00:24:27: eigentlich.

00:24:28: Du würdest Serbien also durchaus als Reiseziel empfehlen?

00:24:32: Auf jeden Fall!

00:24:32: Also Serbien ist als Reiseland... man kann sich da auch wenn man kein Serbisch spricht, ganz leicht bewegen.

00:24:40: Es gibt sehr viele Menschen die sehr gut Deutsch sprechen oder Englisch.

00:24:45: Ja es ist

00:24:45: das Land hat unglaubliche Naturschönheit zu bieten.

00:24:50: Die Nationalparks sind wirklich fantastisch auch zum Wandern, wen das interessiert und die Klöster... Man kann wirklich viel erleben und sehen.

00:25:02: Vielen Dank an Christiana, Anita, Ana und Thomas Schwarz für diese spannenden Einblicke aus Serbien.

00:25:10: Bleiben oder gehen?

00:25:11: Mit dieser Frage haben wir die Folge ja überschrieben Und am Ende muss ich sagen eine einfache Antwort darauf gibt es nicht.

00:25:18: Die Serben lieben ihr Land, ihre Familie, ihre Kultur und das ganze Lebensgefühl, aber viele vor allem junge Menschen entscheiden sich gerade trotzdem dafür zu gehen selbst wenn sie vielleicht gerne bleiben würden. Weil das Land sich eben gerade in so einem Schwebezustand befindet zwischen Aufbruch und Stillstand, zwischen ner krassen Unfreiheit und politischen Spielräumen, die man sich erkämpfen kann.

00:25:43: Zwischen Hoffnung auf eine bessere und gerechtere Zukunft und dem Gefühl, dass Veränderung vielleicht doch wieder warten muss.

00:25:51: In der nächsten Folge wollen wir uns bei Ostblick ein Nachbarland von Serbien genauer anschauen, nämlich den Kosovo – das jüngste Land in Europa.

00:26:00: Abonniert den Podcast um das auf gar keinen Fall zu verpassen!

00:26:03: Ich bin Elena und ich freue mich wenn ihr dann wieder am Start seid.

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